Rad­we­ge, die den Na­men auch ver­die­nen!

Fra­gen wir uns doch ein­fach mal, wat iss’nen Rad­weg und stel­len uns ganz dumm! (frei nach “Die Feu­er­zan­gen­bow­le”)

Zu­nächst ein­mal wol­len wir die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­rich­tung der Rad­ver­kehrs­an­la­gen, sprich Rad­we­ge, auf­zäh­len, dann be­schrei­ben wir die not­wen­di­gen Ab­stän­de und schließ­lich wer­den die Vor­gän­ge bei den Ent­schei­dungs­trä­gern be­schrie­ben. Als In­for­ma­ti­ons­quel­le dient uns ein Pam­phlet des ADFCs mit dem Ti­tel “Fach­wis­sen für den All­tag, Seit­li­che Si­cher­heits­ab­stän­de! Stand 04/2010.” Man kann sich auch in­for­mie­ren in ei­ner In­fo­bro­schü­re (Fahr­rad fah­ren in Deutsch­land), die von DVR, Ver­kehrs­wacht und GDV her­aus­ge­bracht wur­de.

Wie breit soll­ten Rad­we­ge sein? — Be­nut­zungs­pflich­ti­ge Rad­ver­kehrs­an­la­gen: (…) Vor­aus­set­zung für die Kenn­zeich­nung (Zei­chen 237, 240 oder 241) ist, dass (…) die Be­nut­zung des Rad­we­ges nach der Be­schaf­fen­heit und dem Zu­stand zu­mut­bar, ein­deu­tig und si­cher ist.
Die lich­te Brei­te (be­fes­tig­ter Ver­kehrs­raum mit Si­cher­heits­raum) soll in der Re­gel da­bei durch­ge­hend be­tra­gen:

1. Zei­chen 237 — bau­lich an­ge­leg­ter Rad­weg mög­lichst 2,00m, min­des­tens 1,50m, Rad­fahr­strei­fen (ein­schließ­lich Brei­te der Bo­den­mar­kie­rung) mög­lichst 1,85m, min­des­tens 1,50m

2. Zei­chen 241 — ge­trenn­ter Fuß- und Rad­weg, für den Rad­weg min­des­tens 1,50m

3. Zei­chen 240 — ge­mein­sa­mer Fuß- und Rad­weg in­ner­orts min­des­tens 2,50m, au­ßer­orts min­des­tens 2,00m


(…) Aus­nahms­wei­se und nach sorg­fäl­ti­ger Über­prü­fung kann von den Min­dest­ma­ßen dann, wenn es auf­grund der ört­li­chen oder ver­kehr­li­chen Ver­hält­nis­se er­for­der­lich und ver­hält­nis­mä­ßig ist, an kur­zen Ab­schnit­ten (z. B. kur­ze Eng­stel­le) un­ter Wah­rung der Ver­kehrs­si­cher­heit ab­ge­wi­chen wer­den. (…)

Wel­che Si­cher­heits­ab­stän­de sind zu be­ach­ten? — Fährt ein Rad­fah­rer auf der Stra­ße, soll­te er ei­nen Ab­stand zum Bord­stein oder par­ken­den Fahr­zeu­gen von 0,8 bis 1,0 Me­tern ein­hal­ten (we­gen der Gul­ly­de­ckel und Doo­ring-Ge­fahr). Wer­den Rad­ler von an­de­ren Fahr­zeu­gen über­holt, so ist ein Ab­stand von 1,5 Me­tern (i.g.O.) und 2,0 Me­tern (a.g.O.) ein­zu­hal­ten. Wer­den Kin­der als Rad­fah­ren­de über­holt, liegt der Si­cher­heits-Ab­stand auch in­ner­halb ge­schlos­se­ner Ort­schaf­ten bei 2,0 Me­tern.

Hoch­bord oder Stra­ße?
Blo­ckier­te Rad­we­ge!
Wel­cher Rad­weg?

Was sagt die Stadt dazu? — Nun, vor ein paar Jah­ren wur­den die an­ge­leg­ten und op­tisch rot ge­pflas­ter­ten „Rad­we­ge“ ent­lang der Gra­ven­hors­ter Stra­ße und des Pü­D­amms ent­wid­met, d.h. die blau­en Rad­weg­zei­chen wur­den ent­fernt und die Fuß­we­ge wur­den für Rad­ler frei ge­ge­ben (VZ 1022-10).

Zei­chen 1022-10

Die kon­se­quen­te Ent­wid­mung der Rad­we­ge wur­de nö­tig, weil die Vor­ga­ben an Rad­ver­kehrs­an­la­gen nicht mehr ein­ge­hal­ten wer­den konn­ten. Kurz­um, die Rad­we­ge wa­ren zu schmal und fie­len so­mit aus dem Ras­ter. Fort­an ist der Rad­fah­ren­de be­freit von ei­ner Nut­zungs­pflicht und be­gibt sich in Le­bens-Ge­fahr, wenn er auf der Stra­ße fährt. Nutzt man den­noch den Fuß­weg muss man ent­spre­chend fah­ren, Schritt­ge­schwin­dig­keit ein­hal­ten und bei Un­fäl­len nach­wei­sen, dass man vor­sich­tig ge­nug ge­fah­ren ist! Die Stadt be­ruft sich in die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on ganz auf die ju­ris­ti­schen Vor­ga­ben und ist fein raus!

Par­ken auf dem Post­hof?

Was bringt eine Ver­kehrs­schau? — Zu di­ver­sen Bei­spie­len wur­den ir­re­füh­ren­de Aus­schil­de­run­gen oder Durch­fahrts­ver­bo­te den Ver­kehrs­pla­nern und dem Ord­nungs­amt mit­ge­teilt. Auch über mög­li­che Ge­fah­ren­si­tua­tio­nen wur­de in­for­miert. Un­sin­ni­ge Bo­den­mar­kie­run­gen wur­den an­ge­spro­chen und schließ­lich brach­ten po­li­ti­sche Frak­tio­nen im Rat der Stadt An­trä­ge ein, die von der Stadt be­ar­bei­tet wer­den soll­ten.

In der Re­gel wer­den die­se In­for­ma­tio­nen, Hin­wei­se und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge in die po­li­ti­sche Si­cker­gru­be ge­wor­fen, also in die Aus­schüs­se, an ex­ter­ne Be­ra­ter, Ar­beits- oder Len­kungs­krei­se. Dazu ge­hört auch die sog. Ver­kehrs­schau: Ein sich re­gel­mä­ßig tref­fen­der Kreis von Fach­leu­ten aus Ver­kehrs­pla­nern, Ju­ris­ten des Ord­nungs­am­tes und Ver­tre­tern der Po­li­zei be­sich­tigt vor Ort und dis­ku­tiert be­stimm­te Si­tua­tio­nen.

Kurz­um, es wird bes­ten­falls dis­ku­tiert, meist aber nicht mehr dar­auf ge­ant­wor­tet, die Sa­che ver­läuft also im bü­ro­kra­ti­schen San­de! Pro­ak­ti­ve Ver­kehrs­po­li­tik und Ver­wal­tung sieht m.E. an­ders aus!

Es könn­te auch sein, dass es die­sem Gre­mi­um der Ver­kehrs­schau ei­gent­lich am liebs­ten wäre, die Rad­fah­ren­den wür­den zu­hau­se blei­ben und nicht das Rad be­nut­zen; dann wä­ren sie, also die Rad­fah­ren­den, am si­chers­ten! Aber das ist rei­ne Hy­po­the­se! Man ver­zei­he mir mei­ne Po­le­mik!

Üb­ri­gens: Je­der All­tags­rad­ler kann sich beim Ord­nungs­amt mel­den, auch beim Tief­bau­amt oder bei den Ver­kehrs­pla­nern. Aus dem vir­tu­el­len Rat­haus für Euch her­aus­ge­sucht! Schreibt Eure Vor­schlä­ge und Ein­ga­ben an die Stadt!

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